Dienstag, 14. Februar 2017

Ein normales Teenagerleben mit Typ-1-Diabetes führen


Die Kontrolle des Blutzuckerspiegels ist das A und O

Hannover (apothekerkammer-niedersachsen) – Wenn Jugendliche plötzlich an Gewicht verlieren, verstärkt Durst haben und vermehrt Wasser lassen, kann dies auf Diabetes-Typ-1 hindeuten. Betroffene sollten bei diesen ersten Anzeichen einen Arzt aufsuchen, der die Krankheit anhand der Blutzuckerwerte diagnostizieren kann. Eine positive Diagnose kann das Leben des Teenagers und seiner Eltern erstmal gründlich auf den Kopf stellen, doch sie sollte kein Grund zur Panik sein. Denn ein gut eingestellter Diabetiker genießt seine Jugend und sein Leben trotz der Erkrankung ohne wesentliche Einschränkungen, weiß die Apothekerkammer Niedersachsen.
Gestörte Insulinproduktion

Diabetes-Typ-1 ist eine Störung des Kohlenhydrat-, Fett- und Eiweißstoffwechsels. In einer Region der Bauchspeicheldrüse, die sich „Langerhanssche Inseln“ nennt, befinden sich die Beta-Zellen. Diese sind für die Insulinproduktion im Körper verantwortlich. Das Hormon Insulin benötigt der menschliche Körper um Glukose, also Traubenzucker, aufzunehmen und zu speichern. Bei an Diabetes-Typ-1-Erkrankten sind die Beta-Zellen zerstört, es wird kein Insulin produziert. Das Insulin muss künstlich zugeführt werden, sonst steigt der Blutzucker, ohne dass dieser vom Körper verwertet werden kann. Dies kann akut zu dem sogenannten hyperglykämischen Koma und zu Spätfolgen wie Schädigung von Organen und Nerven führen. Die Veranlagung zum Typ-1-Diabetes wird häufig vererbt, die familiären Vorbelastungen können viele Generationen zurückreichen. Die Krankheit kann dann durch einen Virusinfekt ausgelöst werden beziehungsweise durch eine Autoimmunerkrankung, die die Beta-Zellen verändern und zerstören.

Insulin muss ein Leben lang zugeführt werden

Bei Kindern und Jugendlichen mit Diabetes-Typ-1 ist eine lebenslange Insulinsubstitution notwendig, das heißt, sie müssen sich ihr ganzes Leben Insulin spritzen oder über eine Pumpe zuführen. Die zu verabreichende Insulindosis ist abhängig von den Kohlenhydraten, die aufgenommen und in sogenannten Broteinheiten (BE) beziehungsweise Kohlenhydrateinheiten gemessen werden. Die Insulindosis variiert aber auch je nach individueller Konstitution und muss mit dem Arzt besprochen werden.

Während der Pubertät Kontrolle der Blutzuckerwerte besonders wichtig

Weil sich der Hormonhaushalt während der Pubertät grundlegend verändert, kann es immer wieder zu schwankenden oder hohen Blutzuckerwerten kommen. Meistens benötigen Diabetes-Patienten während der Pubertät mehr Insulin, da Hormone die Insulinwirkung mindern. Mehrmals tägliche, regelmäßige Kontrollen der Blutzuckerwerte sind daher in den Teenagerjahren besonders wichtig.


Besondere Gefahr durch Alkohol

Gesunde Ernährung ist das A und O. Eine besondere Diät für Typ-1-Diabetiker gibt es nicht. Beim Umgang mit Alkohol ist jedoch größere Vorsicht geboten. Prinzipiell sollten Jugendliche keinen Alkohol trinken, weil dieser das jugendliche Gehirn schneller schädigt als das von Erwachsenen. Für Diabeteskranke ergibt sich das zusätzliche Problem, dass die Kohlenhydrate in dem Getränk den Blutzuckerspiegel erhöhen, aber der Alkohol den Blutzucker senkt. Er hemmt die Glukoseproduktion in der Leber, die ohnehin in der Nacht gedrosselt ist. Deshalb ist das größte Risiko eine Unterzuckerung in der Nacht, die aufgrund des Alkoholrausches nicht bemerkt werden könnte. Diese kann schwerwiegende Folgen haben und sogar bis hin zur Bewusstseinseintrübung oder Bewusstlosigkeit führen.

Beim Apotheker beraten lassen

Wer ein an Diabetes-Typ-1 erkranktes Kind hat, sollte sich Zeit für einen Termin in der Apotheke vor Ort nehmen. Am besten sammelt die Familie ihre Fragen zum Umgang mit der Krankheit, der Apotheker beantwortet diese gern. Der Apotheker berät umfassend zur sicheren Benutzung des Insulin Pens und der Blutzuckermessgeräte. Er bespricht mit der Familie auch, welche anderen Medikamente bei einer Diabetes-Erkrankung schlechter anschlagen oder wo Wechselwirkungen auftreten können. Muss der Diabetes-Patient weitere Arzneimittel einnehmen wie beispielsweise Kortison, Betablocker oder Salicylate, so sollte er gemeinsam mit dem Arzt individuell auf diese Medikamente eingestellt und die Insulindosis entsprechend angepasst werden.


Patienten mit Diabetes-Typ-1 sind ebenso leistungsfähig wie gesunde Mitmenschen

Das Hauptziel einer guten Diabetes-Therapie ist, dass sich das Leben der Betroffenen nur wenig vom dem gesunder Jugendlicher unterscheidet. Ein Risiko liegt bei einer Diabetes- Erkrankung in einer Unterzuckerung, die zu starken Bewusstseinsveränderungen bis hin zum Koma führen kann. So ist zum Beispiel während des Sports der Glukoseverbrauch erhöht und es besteht die Gefahr einer Unterzuckerung. Deshalb ist es besonders empfehlenswert, vor dem Sport die Nahrungsmenge und -art entsprechend anzupassen oder die Insulindosis in Absprache mit dem Arzt zu variieren.

Wichtig ist auch, das Umfeld des Jugendlichen über die Erkrankung zu informieren. So können Lehrer oder Freunde im Notfall richtig reagieren und die entsprechenden Hilfsmaßnahmen ergreifen. Diabetiker sollten immer Traubenzucker bei sich haben und bei Bedarf im Unterricht essen und trinken dürfen. Traubenzucker hilft, bei Unterzuckerung den Blutzuckerspiegel schnell wieder in den Normbereich zu bringen. Wenn der Patient aber darauf nicht reagiert oder nicht ansprechbar ist, muss sofort ein Notarzt gerufen werden. In solchen Fällen ist es zudem sehr hilfreich, manchmal sogar lebensrettend, wenn Lehrer beziehungsweise Freunde im Umgang mit einem Glucagon-haltigen Notfallpen geübt sind. Dieser Erste-Hilfe-Pen kann z.B. in der Schule an geeigneter Stelle deponiert werden oder in einer Extratasche des Jugendlichen für alle sichtbar bereitliegen. Dem eintreffenden Notarzt muss die Verabreichung des Glucagon sofort mitgeteilt werden.

Keine Einschränkungen bei Schultrips und Ausflügen

Wer an Diabetes-Typ-1 erkrankt ist, muss sich auf seinen Schulausflügen nicht einschränken. Man sollte sich trotzdem über die medizinische Versorgung vor Ort informieren, genügend Insulin einpacken und eine Notration im Handgepäck bei sich tragen. Außerdem sollten insulinpflichtige Diabetiker eine passende Reiseversicherung abschließen und eine ärztliche Bestätigung über ihre Insulinpflicht mit sich führen.

Unterstützung durch ein stabiles und warmes Umfeld

Wie immer im Leben gibt es kein Patentrezept für ein Leben mit Diabetes-Typ-1. Eltern sollten gemeinsam mit dem Jugendlichen Strategien für den Alltag als Diabetiker finden und ihm im Laufe der Jahre Schritt für Schritt die Verantwortung übergeben, bis er selbstständig mit seiner Erkrankung umgehen kann. Freunde und Familie können den Jugendlichen sehr gut unterstützen, indem sie ihm ein stabiles Umfeld bieten. Sie sollten die wichtigsten Maßnahmen im Falle einer Unterzuckerung kennen und auch anwenden können.
Der Apothekerkammer Niedersachsen gehören rund 7.000 Mitglieder an. Der Apotheker ist ein fachlich unabhängiger Heilberufler. Der Gesetzgeber hat den selbstständigen Apothekern die sichere und flächendeckende Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln übertragen. Der Beruf erfordert ein vierjähriges Pharmaziestudium an einer Universität und ein praktisches Jahr. Dabei erwirbt der Studierende Kenntnisse in pharmazeutischer Chemie und Biologie, Technologie, Pharmakologie, Toxikologie und Klinische Pharmazie. Nach dem Staatsexamen erhält er eine Approbation. Nur mit dieser staatlichen Zulassung kann er eine öffentliche Apotheke führen. Als Spezialist für Gesundheit und Prävention berät der Apotheker seriös und unabhängig. Er begleitet den Patienten fachlich, unterstützt ihn menschlich und hilft ihm so, seine Therapie im Alltag umzusetzen.